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Projekt in Neumünster

Verfasst: Samstag 4. August 2018, 13:30
von Administrator
Technischer Support für Felix Woyrsch – Ehrenamtliche digitalisieren Nachlass des Altonaer Komponisten

Seit 25 Jahren setzt sich die Pfohl-Woyrsch-Gesellschaft e.V. erfolgreich dafür ein, das Lebenswerk zweier bedeutender Komponisten aus Norddeutschland zu pflegen und zu verbreiten. Eine Schlüsselrolle fällt dabei der Digitalisierung des Nachlasses zu, die Laien vor eine komplexe Herausforderung stellt. Jetzt kommt das ehrgeizige Projekt in Gang. Denn die ehrenamtlichen Experten von proT-in – Support e.V. unterstützen den Hamburger Verein.

Andreas Dreibrodt widmete Felix Woyrsch nicht nur seine Diplomarbeit. Bereits in den 1990er Jahren erkannte der Musikbibliothekar, dass der Nachlass des Komponisten bedeutend ist. Nicht zuletzt durch die Gründung der Pfohl-Woyrsch-Gesellschaft ist es ihm gelungen, dass das Werk des norddeutschen Musikers gewürdigt wird. Zu den Meilensteinen der Vereinsarbeit zählt die umfangreiche Zelebrierung des 150. Geburtstags im Jahr 2010. Seither wird Felix Woyrsch bei wissenschaftlichen Diskursen und klassischen Konzerten häufiger berücksichtigt.

Es liegt auf der Hand, dass die Digitalisierung des Nachlasses die Verbreitung des bemerkenswerten Gesamtwerks deutlich vorantreiben würde. Das Format erleichtert den Zugang zu den Materialien. Außerdem könnte die globale Reichweite des Internets für die Vereinsziele genutzt werden. Allerdings handelt es sich dabei um ein Projekt mit zahlreichen Tücken, für das reichlich technisches Know-how gefragt ist.

Ehrenamtliche Technikexperten beflügeln die Digitalisierung

Glücklicherweise wurde Andreas Dreibrodt auf das Engagement von proT-in – Support aufmerksam. Denn unter dem Dach des jüngst gegründeten Vereins stellen technische Experten ihr Wissen ehrenamtlich zur Verfügung. Hierzu zählt Volker Tank, der die Pfohl-Woyrsch-Gesellschaft bei der Umsetzung des Projektes unterstützen und beraten wird. Während eines Treffens, an dem auch Dirk Motzkus als Vorsitzender von proT-in – Support teilnahm, konnte der Bedarf konkretisiert werden.

Bei der fachgerechten Digitalisierung muss zum Beispiel bedacht werden, dass viele Dokumente in einem Sonderformat vorliegen, handschriftlich verfasst wurden oder vom Alter des Papiers geprägt sind. Damit die musikbegeisterten Ehrenamtlichen in Hamburg diese Schwierigkeiten meistern können, stellt der technikaffine Verein mit Hauptsitz in Bad Berleburg einen Spezialscanner und eine geeignete Software zur Verfügung. Jetzt lässt sich die Vision in die Tat umsetzen, dass Felix Woyrsch von den Errungenschaften des digitalen Zeitalters profitiert.
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Neumünster, Andreas Dreibrodt (links) und Volker Tank, stehend Dirk Motzkus
Neumünster Andreas Dreibrodt (links) und Volker Tank, stehend Dirk Motzkus



Hintergrundinformationen:

Felix Woyrsch (1860-1944): Nach seiner Geburt im schlesischen Troppau gelangte der Sohn eines Schauspielerehepaars über Dresden in das damals noch eigenständige Altona bei Hamburg. Sein vorwiegend autodidaktisch geschultes Musiktalent qualifizierte Felix Woyrsch für zahlreiche leitende Positionen in der Kulturszene von Altona. Im Jahr 1903 wurde er beispielsweise zum Städtischen Musikdirektor ernannt. Zu Lebzeiten fand er außerdem als Komponist, Organist und Dirigent reichlich Beachtung. Kritiker ordneten ihn den bedeutendsten Oratorien-Komponisten in Deutschland zu und erwähnten seinen Namen lobend im Zusammenhang mit Berühmtheiten wie Johannes Brahms. Als tief religiöser Mensch ließ sich Woyrsch nicht von den Nationalsozialisten instrumentalisieren Gleich nach der Machtergreifung verlor er die Leitung der Altonaer Singakademie und zog sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurück. Da er 1944 verstarb und nach dem 2. Weltkrieg andere Musikstile im Rampenlicht standen, gerieten seine Werke über Jahrzehnte in Vergessenheit.

Pfohl-Woyrsch-Gesellschaft e.V.: Im Jahr 1993 wurde die Pfohl-Woyrsch Gesellschaft gegründet, um das Gesamtwerk des Musikkritikers und Komponisten Ferdinand Pfohl sowie den Nachlass von Felix Woyrsch zu pflegen und zu verbreiten. Beispielsweise setzt sich der gemeinnützige Verein für die Aufführung der Werke in Konzerten und die Veröffentlichung von Tonträgern ein. Felix Woyrsch komponierte unter anderem sieben Symphonien, drei Opern, drei Oratorien und hundert Lieder, die dank der Vereinsarbeit zunehmend beachtet werden. Dem engagierten Vorstandsteam steht Andreas Dreibrodt seit 2007 vor.

proT-in – Support e.V.: Seit vielen Jahren unterstützt pro Telekommunikations- und Informationstechnik e.V. (proT-in) sowohl Arbeitnehmer als auch Beamte. Im Vordergrund steht die Hilfe zur Selbsthilfe, damit Beschäftigte ihre Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber besser durchsetzen können. Bedeutend sind dabei fundierte Informationen und Rechtsberatungen. Zunehmend kommt bei Experten der Wunsch auf, ihr Wissen sinnvoll für das Allgemeinwohl zu nutzen – beispielsweise nach der Pensionierung. Die Gründung von proT-in – Support e.V. versteht sich als logische Antwort darauf. Die Mitglieder des Tochtervereins verfügen über Kompetenzen, die im digitalen Zeitalter eine Schlüsselrolle einnehmen. Deshalb gehört es zu den zentralen Zielen, mit gemeinnützigen Angeboten die gesellschaftliche Teilhabe aller Bürger zu fördern. Dirk Motzkus ist als Vorsitzender von proT-in e.V. und proT-in – Support e.V. aktiv.